Frühstück in der Welt der Düfte

Donnerstag, 18. November 2010

Bibi Bigler“Entstopft Eure Nasen”, schrieb Bibi Bigler in ihrem Einladungsmail. Dieser etwas eigenartig anmutende Ratschlag hat seinen guten Grund: Beim Besuch in ihrem Atélier entführte Bibi Bigler ihre X-network-KollegInnen in die Welt von bibi-creation.com und damit in die Welt der Düfte. Wenngleich nicht der Geruchs-, sondern der Sehsinn beim Betreten des grossen, hohen Raumes als erstes angesprochen wird: Sofort fallen dem Besucher nämlich die wunderschönen Fotografien ins Auge, welche überall die Wände zieren. Und schon kommt die Nase ins Spiel, denn bei Bibi Bigler kann man Bilder nicht nur sehen, sondern förmlich riechen. In kleinen Silberskulpturen am Rande der Fotografien ist eine passende Duftessenz versteckt. Auf diese Weise haucht Bibi Bigler der abgebildeten Himbeere oder dem Arvenholz geradezu Leben ein. Obschon mitten im Aathaler Industriegebiet und um 7 Uhr in der Früh, befällt die X-networkenden urplötzlich das angenehme Gefühl, draussen in der Natur zu sein. Anfangs 2010 hatte Bibi Bigler daraus in St. Moritz eine Ausstellung zusammengestellt, die auch in der Presse Beachtung fand.

“Schon in der Kindheit war ich von Gerüchen fasziniert”, erzählt sie später beim gemeinsamen Frühstück. Während sich andere kleine Kinder wie üblich alles Greifbare in den Mund stopften, roch klein Bibi lieber daran. Diese Leidenschaft liess sie auch als Erwachsene nicht los, wenngleich es noch Jahre dauern sollte, bis sie sich ihr ganz verschreiben konnte. Nach einem Biologiestudium besuchte sie zwar in Frankreich eine Parfumschule, kreierte danach aber erst einmal Aromen für den Lebensmittelbereich und widmete sich ihrer Familie.

Parfum Düfte

Karriere mit “Splendur” und “Cembra” lanciert

Es brauchte einen Bruch in ihrem Leben, bis sie den Mut fand, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen: “Nachdem ich meine Stelle verloren hatte, zog ich mich fünf Monate mutterseelenallein auf eine Engadiner Alp zurück – einzige Lebensgenossen waren eine Kuh, ein Hund und eine Schafherde”, erinnert sie sich lachend.

Hier fand sie endlich wieder Zeit und Musse, sich den Düften zu widmen. Was sie roch, hielt sie gleichzeitig in ihren Fotografien fest – entstanden ist die oben beschriebene Ausstellung in St. Moritz. Nach ihrer Rückkehr entschloss sie sich, ihre Leidenschaft endlich zum Beruf zu machen. “Splendur” und “Cembra” heissen ihre ersten zwei Kreationen,  “ein nach Prachtsnelken riechender Duft für die Frau und ein Herrenduft, der an Arvenöl erinnert”, beschreibt sie die beiden Parfums, die gerade die Nasen der Netzwerkenden entzücken.

Doch so schön das alles klingt: Hinter dem Kreieren von Düften steckt jahrelanges Training: “Wie ein Musiker seine Noten, muss ich meine Düfte bis ins Detail kennen. Das braucht Erfahrung, denn es gibt beispielsweise alleine sechs verschiedene Lavendelsorten.” Diese Aussage erstaunt die X-networkenden genauso, wie die kleinen Flacons, die daraufhin die Runde von Nase zu Nase machen: Von der Gurke bis zum Gras  -  an Bibi Biglers sogenannter “Duftbar” könnte man stundenlang schnüffeln…

Stefan Parfum

Bigi Bigler Parfum

Ausgewählte Parfümerien und Boutiquen im Visier

Ihr Ziel ist es, ausgewählte Parfümerien und Boutiquen als Absatzkanal zu gewinnen. Denn: “In grosse Läden wie der “Import Parfümerie” oder “Douglas” passen meine Produkte nicht hin.”

Daneben hat sich Bibi Bigler ein zweites Standbein mit Duft-Dienstleistungen aufgebaut: So bietet sie etwa Workshops für Firmen an, bei denen jeder sein ganz persönliches Parfüm zusammenstellen kann oder stellt Düfte für private Label her. Für ein bekanntes 5-Stern-Hotel kreierte sie eine ganze Reihe von speziellen Wellnessprodukten, angefangen bei der Body Lotion über die Dusch- und Gesichtscrème bis hin zum Shampoo. Ein weiterer Tätigkeitsbereich sind Raumbeduftungen, sei es bei Events, an Messen oder in Museen: Bei der berühmten römischen Ausgrabungsstätte “Vindonissa” in Windisch entwickelte sie den Duft für das römische Bad, welcher nun über eine Anlage im ganzen Raum versprüht wird und mithilft, den Besucher noch stärker in die Zeit Cäsars zurückzuführen.

Nur ungern verlassen die X-networkenden nach dem Frühstück und der interessanten Firmenpräsentation das Atélier in Aathal – fest entschlossen, trotz hektischem Alltag den zahlreichen Düften um sie herum künftig mehr Beachtung zu schenken.